Lesermeinung zum Beitrag „Südzucker AG schließt Zuckerfabrik Brottewitz“

… da hilft Dir die Genossenschaft!?

Am Montag, den 25.02 2019 demonstrierten ca. 350 Personen, Mitarbeiter der Südzucker und Rübenanbauer, vor der Hauptverwaltung der Südzucker AG  für die Erhaltung der Zuckerfabriken Warburg und Brottewitz. Sie trugen ihre Argumente zur Erhaltung der Werke vor, bevor der Aufsichtsrat mehrheitlich den Plänen des Vorstandes zur Werksschließung zustimmte. 

Die Arbeitnehmervertreter hatten vorab verkündet, gegen die beabsichtigten Schließungen zu stimmen. Daraus lässt sich ableiten, dass alle anderen Aufsichtsratmitglieder  sich für die Schließungspläne ausgesprochen haben müssen. Vier dieser Aufsichtsratmitglieder sind Vertreter der Süddeutschen Zuckerrübenverwertungs-Genossenschaft (SZVG).

Auf der Internetseite der SZVG kann man lesen:

„Ziel der im September 1950 gegründeten „Süddeutsche Zuckerrübenverwertungs-Genossenschaft“ war es, landwirtschaftliches Kapital zu beschaffen, um neue Zuckerfabriken bauen zu können. Damit sollten die Rübenanbauer mehr Einfluss auf die Zuckerindustrie gewinnen und nicht länger nur Rohstofflieferanten sein.“

Die SZVG gab,  z. T. an Lieferrechte gebundene, Anteile aus und behielt Rübengeld ein, um sich wiederum mit dem Kapital der Rübenbauern an der Südzucker AG zu beteiligen. Seit 1988 ist die SZVG Mehrheitsaktionärin der Südzucker AG, z. Zt. mit 57 % der Anteile.

„Dieses Kapital verwaltet die SZVG treuhänderisch für alle Zeichnungsinhaber…“ heißt es weiterhin auf der Homepage.

Nun sollte man meinen, dass es bei so einer Mehrheitsbeteiligung nicht nur um die Kapitalverwaltung, sondern auch um ein solidarisches Mitspracherecht geht, was durch die Besetzung des Aufsichtsrates mit vier Vertretern der SZVG ja auch gegeben ist. Man könnte eigentlich davon ausgehen, dass diese Vertreter im Sinne der Rübenanbauer und somit für die Erhaltung der regionalen Zuckerfabriken abstimmen. Haben sie aber nicht.

Vor der Tür der Südzucker AG demonstrierten die Rübenbauern für die Erhaltung der Werke und hinter der Tür stimmten die Bauernvertreter der SZVG dagegen. Vor der Tür sprachen sich Vertreter der regionalen Bauernverbände dafür aus, die Schließungspläne noch einmal zu überdenken und andere Lösungen zu finden, und hinter der Tür hat der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (als Vorstandsmitglied der SZVG und Aufsichtsrat der Südzucker AG) für die Schließungen gestimmt ???

Auf der Homepage der Südzucker AG heißt es zum Thema Nachhaltigkeit:

„Daher ist das Prinzip der Nachhaltigkeit traditionell ein fester und gelebter Bestandteil der Unternehmensstrategie. Nachhaltiges Handeln soll in allen Unternehmensteilen und Regionen jeweils auf allen Ebenen – vom Management bis zu jedem einzelnen Mitarbeiter – verankert werden.“

Zur Zuckerfabrik Brottewitz schreibt die Südzucker AG:

„In einer durch Landwirtschaft geprägten Region ist die Zuckerfabrik Brottewitz wichtiger Industriestandort und Arbeitgeber für die Menschen der Region, Partner der Rübenanbauer sowie bedeutender Auftraggeber für Gewerbe und Dienstleister“

Die Zuckerfabriken Brottewitz ( seit 1873) und Warburg (seit 1882)  gehören zu den ältesten Zuckerfabriken Deutschlands und haben in ihrer über hundertjährigen Geschichte schon manche Notlage überstanden: Weltkriege, Ressourcenknappheit, Brände, Ernteausfälle. Zwei Jahre nach Fallen der Rübenquote sollen diese Werke nun stillgelegt werden, nachdem zuvor die Rübenanbauer aufgefordert wurden mehr Rüben anzubauen?

Nachhaltigkeit sieht anders aus!

Der (lt. Wikipedia) größte Zuckerproduzent der Welt, der unter anderem mit dem Kapital der Bauern groß geworden ist, sollte seinem Prinzip der Nachhaltigkeit folgend, sich doch in der Lage sehen, auch andere Lösungen zu finden, als einfach die beiden kleinsten Werke, die aber für ihre Regionen von großer Bedeutung sind, zu schließen!

von Edith Lange, Borgentreich (NRW)

Anmerkung von Leckeres Sachsen:

Das ist der Leserbrief von Frau Lange an die Fachzeitschrift BAUERNZEITUNG in ungekürzter Form. Die dortige Redaktion hatte ihn eingekürzt. Öffentliche Statements von betroffenen Rübenanbauern aus dem Fabrikgebiet Brottewitz gab es bislang kaum, erst recht keine relevanten und Erkenntnis bringenden Äußerungen von Interessenvertretern des betroffenen regionalen Rübenanbauerverbandes, dessen Vorsitzender übrigens ebenfalls Vorstandsmitglied der SZVG und Aufsichtsratsmitglied der Südzucker AG ist, wie der deutsche Bauernpräsident.

Ergänzung:

Der Verband Sächsisch-Thüringischer Zuckerrübenanbauer e.V. teilte am 15.03.19 seinen Mitgliedern mit, dass Herr Ralf Hentzschel mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als Vorsitzender des Sächsisch-Thüringischen Verbandes sowie von seinem Vorstandsmandat zurückgetreten ist. Gründe wurden keine genannt.

Haben auch Sie eine Meinung zur Schließung der Brottewitzer Zuckerfabrik, zur fortwährenden Industrialisierung der Lebensmittelherstellung oder über das „diplomatische“ Verhalten landwirtschaftlicher Funktionäre? Dann freuen wir uns auf Ihren Kommentar!

2 Kommentare
  1. Powerbauer sagte:

    jetz wird doch der hund in der pfanne verrückt! erst jahre lang gut kassieren und jetzt verdrücken! schäfchen alle im trocknen, was herr ex-vorsitzender???

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  2. Welt(nicht)versteher sagte:

    Ein Mensch wird von seinen Mitstreitern (hier Rübenbauern) gewählt, um deren gemeinsame Interessen zu vertreten. Von dort aus wird er (automatisch) in einen Aufsichtsrat (hier Südzucker) delegiert. Nun hat er zwei Interessen zu vertreten. Die seiner Mitstreiter (die ihm zum Amt verholfen haben) und die eines Unternehmens, damit dieses weiter seinen Gewinn optimieren kann. Geht das? Vielleicht bis zu dem Grad, wo Mitstreiter und Unternehmen gemeinsam profitieren. Doch gerade bei regionalen Strukturbereinigungen, wie es die Südzucker seit Jahrzehnten durchführt, ist das (moralisch) schwierig. Wie würde sich ein seriöser bodenständiger Landwirt in einem solchen Amt entscheiden, wenn er weiß, dem Unternehmens hilft es, aber tausenden bäuerlichen Mitstreitern schadet es. An dieser Stelle würde er doch aussteigen, oder?
    Ein Verbandsvorsitz für Rübenanbauer und ein Aufsichtsratsmandat in einem globalen Lebensmittelkonzern bedeuten Macht und Geld! Raten Sie mal, wer dem Mandatsträger mehr Aufwandsentschädigung für weniger Aufwand zahlt. So steht im Geschäftsbericht der Südzucker geschrieben:
    „Jedes Aufsichtsratsmitglied erhält neben dem Ersatz seiner baren Auslagen und seiner ihm für die Aufsichtsratstätigkeit zur Last fallenden Umsatzsteuer eine Grundvergütung. Diese Grundvergütung besteht aus einer festen, nach Ablauf des Geschäftsjahres zahlbaren Vergütung von 60.000 Euro sowie einer variablen Vergütung von 500 € je angefangene 0,01 € ausgeschüttete Dividende auf die Stammaktie, die 0,50 € übersteigt. …“
    Menschen waren, sind und bleiben käuflich!

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