Pressefreiheit ausgenutzt

Wie Zeitungen Wunschpolitik machen

Vieles, was man neben wünschenswerten Sachmeldungen aus Zeitungen liest und erfährt, sollte man bekanntlich mit Verstand betrachten und hinterfragen. Aktuelles Beispiel ist eine Kampagne der Sächsischen Zeitung/Döbelner Anzeiger zur Schließung des Ladengeschäftes „Lecker vom Land“ in Waldheim.

„Lecker vom Land“ war ein praktischer Versuch des Ingenieurbüros für regionales Agrarmarketing in Hartha im Interesse einheimischer ländlicher Erzeuger, um zu testen, wie Verbraucher und öffentliche Akteure in Mittelsachsen auf angebotene regionale Produkte zu erzeugergerechten Preisen reagieren. Das betraf nicht nur die sachliche Prüfung und Bewertung des Kaufverhaltens von Einwohnern, das betraf auch das öffentliche Interesse und die Wertschätzung einer solchen regionalbetonten Initiative – gefördert mit ausschließlich privaten Mitteln in punkto Repräsentation und Warenangebot.

Schließlich musste die praktische Initiative aufgrund sich deutlich abzeichnender Tendenzen in der öffentlichen Wahrnehmung beendet und das Ladengeschäft Ende November alternativlos geschlossen werden.

Ergebnisdarstellung von Anfang an angekündigt

Von Anfang stand fest, die Ergebnisse dieser „Versuchsdurchführung“ im Interesse der Produzenten im Geschäftsumfeld auszuwerten und aus agrarökonomischer und -ökologischer Expertensicht öffentlich zu kommunizieren. Das wurde so auch dem Bürgermeister der Stadt Waldheim in einem ausführlichen persönlichen Gespräch am 15. August 2018 offeriert. Demnach kann vereinzelte Kritik zurückgewiesen werden, nur einen „Wut- oder Frustrationszettel aus lauter Schreck“ in Umlauf gebracht zu haben. Anfang November wurden im Rahmen der Bekanntgabe der Ladenschließung die tatsächlichen Beweggründe ohne inhaltliche Abstriche und ohne heutzutage gewohnter diplomatischer Umschweife in einem ausgehändigten Flyer kommuniziert. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die sich ableitenden Zusammenhänge am Beispiel der Kleinstadt Waldheim fachlich erörtert, wie sich derzeit beobachtbare gesellschaftliche Entwicklungen auf kommunale, regionale und globale Wirtschaftskreisläufe auswirken. Das ist schließlich eine wesentliche fachliche Schwerpunktarbeit des Ingenieurbüros. Auch die Hintergründe wurden aufgeführt, weshalb die fehlende Unterstützung städtischer Institutionen und aktive Negativkampagnen einzelner Zeitgenossen vor Ort nicht förderlich für den Erhalt kleinster individueller Wirtschaftseinheiten im ländlichen Raum sind.

Die positive Resonanz vieler Leser auf diese Darstellungen war sehr überwältigend, was die zahlreichen persönlichen Gespräche und Danksagungen belegen. Scheinbar traf die reale Ergebnisdarstellung den Nerv vieler ansässiger Akteure, darunter namhafte Waldheimer Gewerbetreibende, die diesen aktiven Schritt nach vorn anhand eigener Erfahrungen begrüßten.

Zeitung stürzte sich auf Konflikt

Ganz anders interpretierte das scheinbar die regionale Tagespresse, die Sächsische Zeitung. Ohne sich sachlich ausreichend abzustimmen, wurde der vorliegende Flyer und dessen Inhalt genutzt, um in Waldheim und Umgebung eine Kampagne gegen das „sich zurückziehende“ „Lecker vom Land“ aufzubauen. Unser federführendes Ingenieurbüro für regionales Agrarmarketing möchte deshalb an dieser Stelle mitteilen:

  • Als Betroffene haben wir keine genaue Kenntnis, was über uns in der Zeitung geschrieben wurde, da wir kein Zeitungsabonnement und somit keinen Zugang zu den verschlüsselten Texten auf der Zeitungs-Website haben. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn wir in eine solche Kampagne hätten eingebunden werden und die Beiträge hätten lesen dürfen.
  • Den Botschaften von Dritten entnehmen wir, dass wir aufgrund unserer wahrheitsgemäßen Situationsbeschreibung schweren Vorwürfen ausgesetzt werden. Diese Vorwürfe kennen wir allerdings bislang nicht genau bzw. hören sie nur von Dritten.
  • Ohne zu wissen, um was es im Einzelnen überhaupt geht, können wir uns im Zusammenhang mit unserem Flyer nur fragend äußern:
  1. Ist es seriös, wenn eine Zeitung fundierte Ergebnisse und Darstellungen Dritter aufgreift, „zwischen Tür und Angel“ lediglich mitteilt, daraus „etwas machen zu wollen“? Was genau, wurde nie besprochen!
  2. Was ist das für ein Journalismus, wenn die wahren Hintergründe und Begebenheiten eines ausführlichen persönlichen Erfahrungsberichtes nicht recherchiert und persönliche Aussagen der Betroffenen verzehrt oder falsch dargestellt werden?
  3. Müssen die belegbaren Fakten für die Schließung eines kleinen Ladengeschäftes öffentlich infrage gestellt werden, um damit die bestehenden Missstände in Gesellschaft, Politik und Verwaltung noch zu festigen? Ist es nicht vielmehr eine Angst der „Masse“ vor der Wahrheit?
  4. Warum wissen Außenstehende  die Gründe von Geschäftsentwicklungen – und vor allem die Fehler – besser als die Betroffenen selbst?  Sind diese unfähig, dass selbst beurteilen zu können? Und ist es nicht anmaßend, den einen „Unbequemen“ vor den vielen anderen als dumm bzw. „selbst schuld“ hinzustellen?
  5. Warum sieht es die Zeitung als Angriff auf die Kunden, wenn sich der aufgebende Geschäftsinhaber am Ende bei seinen Kunden für ihre Treue bedankt und sich sogar für die Schließung entschuldigt?
  6. Weshalb versucht die Zeitung zu vertuschen, dass ein städtischer Vermieter eine Mietsache nicht im geeigneten Zustand an den Mieter überlassen hat?
  7. Worin sieht die Zeitung Anlass, die Tatsache zu torpedieren, dass kaum ein Bereich der kommunalen Verwaltung und nur die wenigsten öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen auf die Angebote des Ladengeschäftes zurückgegriffen haben? Sind acht Monate Zeit zu wenig, um das als Anbieter erkennen zu dürfen? Oder ist es heutzutage nur nicht mehr gesellschaftsfähig, die wahren Zustände laut zu kommunizieren?
  8. Warum wirft die Zeitung dem aufgebenden Ladeninhabern trotz mehrfachen Schriftverkehrs und Informationsaustauschen mit der Stadtverwaltung mangelnde Kommunikation vor? Sind ausbleibende Antworten auf Fragen bzw. „Aussitzen“ in Ordnung?
  9. Ist es nicht Pflicht eines Vereines, nach seinen eigenen Satzungszielen zu handeln? Welche Satzungsziele hat ein örtlicher Gewerbeverein? Was hat jeder nachträgliche Aktionismus für einen Sinn, wenn vorher die einfache Moral gefehlt hat?
  10. Was ist Wirtschaftsförderung? Politik einzelner Personen, die in allen kommunalen Gremien vertreten sind? Gehört dazu nicht auch Neutralität?

Die Antworten kann sich jeder selbst suchen. „Lecker vom Land“ hatte sie gefunden und sich lediglich begründet zurückgezogen. Nichts weiter.

Das Ingenieurbüro für regionales Agrarmarketing distanziert sich von jeglichen Aussagen zum Thema in der Sächsischen Zeitung/Döbelner Anzeiger.