Oder: Wie man der Lebensmittelindustrie den Weg ebnet

Die Menschen wollen, dass sich in der Lebensmittelproduktion endlich etwas ändert. Insbesondere die Tierhaltung steht am Pranger, wenn sie in konzentrierter Form durch industrieartige Großbetriebe fernab artgerechter Haltungsbedingungen erfolgt. Man müsste meinen, dass kleine bäuerliche Landwirtschaftsbetriebe und Hobbytierhalter mit dem gewissen Feeling für ihre Nutztiere nun eine Renaissance erleben und besonders gefördert werden. Immerhin halten sie Tiere in der Form, wie es die Menschheit seit Jahrhunderten getan hat und woraus sich schließlich auch die Nutztiervielfalt bis hin zu den heute unzähligen bedrohten Tierrassen entwickelt hat.

Doch nicht nur die „Geiz-ist-geil“-Manier vieler Verbraucher spricht dagegen, dass sich mehr Tierhalter wegen fehlender erzeugergerechter Preise bei tierischen Produkten wieder für eine artgerechte, ländlich-traditionelle Nutztierhaltung motivieren lassen. Vor allem die Gesetzgeber und Behörden setzen mittlerweile alles daran, um der globalen Lebensmittelindustrie den Weg weiter zu ebnen und alternative natürliche Lebensmittelquellen im ländlichen Raum immer mehr zu verdrängen. Vorschriften und Verordnungen von Brüssel, über Berlin und die Länder bis hin zu den Landkreisen gibt es unendlich viele, um den kleinen Produzenten das Leben schwer und die Produktion unmöglich zu machen.

Zwei typische Beispiele dafür finden sich aktuell beim Blick nach Sachsen-Anhalt.

So wollte ein gelernter Koch und Metzger im Jerichower Land seinen Schweinen etwas anderes bieten, als die herkömmliche Tierhaltung. Er schuf seinen Tieren im Wald ein wahres Schweineparadies unter freiem Himmel mit viel Platz zum Austoben. Allerdings gab es für die neun Tiere immer wieder Auflagen vom Landkreis. Kaum waren sie erfüllt, kamen die nächsten. Nun hat der Tierhalter aufgegeben. Die Angst der Agrarindustrie mit ihren umfangreichen Tierbeständen vor der Afrikanischen Schweinepest war wohl stärker als der Wunsch nach Schaffung und Erhalt ländlicher Tierhaltungsbedingungen. Lesen Sie mehr dazu bei MDR unter folgendem Link:

Der zweite Fall ist noch bedenklicher für alle, die meinen, dass es vollkommen üblich und artgerecht sei, wenn auf dem Dorf Hühner, Enten und Gänse glücklich im Freiland scharren, picken, planschen oder einfach nur zufrieden ihr Gefieder in der Sonne wärmen. Ein Landwirt aus dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld, der seine Gänse unter freiem Himmel hält, wehrt sich intensiv gegen Forderungen und Auflagen der Kreisverwaltung, die Tiere einzustallen. Mittlerweile liegt der Fall beim Oberverwaltungsgericht und eine Entscheidung gegen alle Natur könnte verheerende Folgen für Geflügelhalter deutschlandweit haben.

Ein risikofreies Leben, ohne Viren oder andere Krankheitserreger gibt und gab es noch nie auf dieser Welt seit Menschengedenken. Wenn der zunehmend übertriebene Sicherheitstrieb der Menschen alle natürlichen Produktionsmethoden ausschließt, müssen wir uns über nachhaltige und natürliche Nahrungsmittelproduktion keine Gedanken mehr machen. Ein Hoch in dem Falle den großen Geflügelfarmen mit bis zu über 100.000er Tierbeständen für die kommerziell rentable weltweite Massenversorgung mit industriellen Geflügelprodukten. Mehr zum „Gänsestreit“ in Sachsen-Anhalt lesen Sie in diesem Beitrag der Magdeburger Volksstimme:

Wie lange noch werden wir solche Bilder in unseren Dörfern zu Gesicht bekommen? Wollen wir uns nur noch aus Massentierhaltung, vom Fließband und aus dem Labor ernähren? Das gesundheitliche Risiko industrieller Ernährung ist deutlich höher als an einem lokal vorkommenden natürlichen Erreger zu erkranken. Meist geht es auch gar nicht um uns Menschen, sondern nur um den Schutz großer industrieller Produktionseinheiten.