Landwirtschaft erklärt

Pflanzenschutz ist notwendig, um die Ernten abzusichern

Es gibt mechanische, biologische und chemische Pflanzenschutzmaßnahmen.

Diese Pflanzenschutzmaßnahmen setzen Landwirte immer in Kombination mit vorbeugenden Maßnahmen wie Fruchtfolge, Bodenbearbeitung, Sortenwahl, Düngung und Bestandesführung ein.

Wenn Landwirte Kulturpflanzen wie Weizen, Mais, Kartoffeln, Roggen, Zuckerrüben, Gemüse oder Wein anbauen, sind der Boden und seine Bodenlebewesen, die Kultur- und Wildpflanzen, die auf ihm wachsen, die Nützlinge und Schädlinge oder Krankheitserreger in ständiger Wechselbeziehung miteinander.

Die Summe aller Maßnahmen macht den Erfolg

Damit Landwirte, Gärtner oder Winzer zufriedenstellende Erträge erzielen und gesunde Nahrungsmittel erzeugen können, müssen die Kulturpflanzen wirksam geschützt werden. Sonst können Schädlinge und Krankheiten überhand nehmen. Wichtig sind zum Beispiel eine abgerundete Fruchtfolge, eine fachgerechte Bodenbearbeitung und eine gut terminierte Aussaat. Als Fruchtfolge bezeichnet man die Aufeinanderfolge von verschiedenen Kulturpflanzen auf einem Feld. Sie ist wichtig, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten.

Die Düngung verabreichen Landwirtinnen und Landwirte den Pflanzen bedarfsgerecht auf ihren jeweiligen Nährstoffbedarf im jeweiligen Wachstumsstadium. Beim Pflanzenschutz wird unterschieden zwischen

  • biologischem Pflanzenschutz, also zum Beispiel dem Einsatz von Nützlingen gegen Schädlinge,
  • mechanisch-physikalischer Bekämpfung mit Hand- oder Maschinenhacke, Egge oder Pflug oder das Absammeln oder Fangen der Schädlinge in Fallen sowie dem
  • biotechnischen Pflanzenschutz, der mittels Ködern und Pheromon-Duftlockstoffen die Schädlinge anlockt. Dieser kommt allerdings eher in der Forstwirtschaft oder im Obst- und Weinbau zum Einsatz, weniger im Ackerbau.

Jede dieser Maßnahmen hat ihre Vor- und Nachteile, oft ist es erst die Summe mehrerer Maßnahmen, die den gewünschten Erfolg bringt. So haben viele Schädlinge unserer Kulturpflanzen ihre natürlichen Feinde, die „Nützlinge“. Sie interagieren miteinander, so dass einer großen Population an Nützlingen erst einmal eine Massenvermehrung an Schädlingen, und damit ein hohes Nahrungsangebot vorhergehen muss. Bis aber die Zahl der Nützlinge so angestiegen ist, dass sie einen Massenbefall an Schädlingen in Schach halten kann, ist es für unsere Kulturpflanzen oft zu spät. Nützlingsfördernde Maßnahmen gehen daher meist einher mit anderen Methoden im Pflanzenschutz.

Integrierter Pflanzenschutz als hohe Messlatte

Integrierter Pflanzenschutz bezeichnet die aufeinander abgestimmte Nutzung aller biologischen, biotechnischen, züchterischen, anbau- und kulturtechnischen Maßnahmen im Pflanzenbau. Er zielt darauf ab, den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel – nach dem Motto „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“ – auf das notwendige Maß zu beschränken.

Seit 2009 schreibt die „Europäische Rahmenrichtlinie zum Nachhaltigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln“ die allgemeinen Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes verbindlich vor: Dazu gehören unter anderem

  • das Vorbeugen durch ackerbauliche Maßnahmen in einer vielfältigen Fruchtfolge,
  • das Beobachten (Monitoring),
  • das „Schadschwellenprinzip“ als Entscheidungsgrundlage,
  • der Gewässer- und Anwenderschutz,
  • das Vermeiden von Resistenzen sowie
  • die Dokumentation aller Pflanzenschutzmaßnahmen.

Wie diese Rahmenrichtlinie in Deutschland umgesetzt wird, beschreibt der Nationale Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP).

Wirtschaftliche Schadschwelle ist Entscheidungsgrundlage

Landwirte setzen chemischen Pflanzenschutz in einer genau ausgeklügelten Strategie ein: So ermitteln sie etwa die Anzahl der Rapsglanzkäfer in sogenannten Gelbschalen. Die Käfer fliegen die gelben Schalen im Bestand wie eine Blüte an und können dort ausgezählt werden. Erst wenn die „wirtschaftliche Schadschwelle“ erreicht ist, werden chemische Bekämpfungsmittel eingesetzt. Die Schadschwelle gibt Aufschluss darüber, ab welcher Befallsdichte eine Bekämpfung wirtschaftlich sinnvoll ist, d.h. ab wann die Ertragsausfälle mehr Kosten verursachen als die Bekämpfung.

Bei der Entscheidungsfindung helfen Prognosemodelle und PC-Programme verschiedener Akteure, die die Zusammenhänge zwischen Befallsstärke, Befallszeitpunkt, Witterungsverlauf und Populationsentwicklung der Schädlinge sowie ihrer Gegenspieler oder den Befallsdruck pilzlicher Erreger ermitteln.

Problembereiche erkennen und anpacken

Sachgerechter Pflanzenschutz geht nur mit einer guten Ausbildung der Landwirte einher, die ihre Qualifikation regelmäßig auffrischen und nachweisen müssen und auch die Pflanzenschutzspritze muss regelmäßig zum „TÜV“, bei dem ihre einwandfreie technische Funktion überprüft wird.

Gerade der chemische Pflanzenschutz wird wegen seiner ökologischen Nebenwirkungen aber häufig kritisch betrachtet. Etwa in Bezug auf Beeinträchtigungen des Grundwassers, die Verarmung bzw. Beeinträchtigung der Artenvielfalt sowie das Bienensterben. Letztendlich geht es in der Landwirtschaft aber genauso wie in anderen Wirtschaftszweigen, wie beispielsweise der Automobil- oder chemischen Industrie, immer um eine Abwägung zwischen ökonomischen und ökologischen Interessen bei der Produktion.

Und hier stehen nicht allein finanzielle Interessen der Landwirte ökologischen Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher gegenüber. Würde plötzlich flächendeckend auf den chemischen Pflanzenschutz verzichtet, würden die landwirtschaftlichen Erträge exorbitant geringer ausfallen, was in Form deutlich steigender Lebensmittelpreise auch die ökonomischen Interessen von Verbraucherinnen und Verbrauchern träfe.

Im integrierten Pflanzenschutz steht der chemische Pflanzenschutz am Ende einer langen und sorgfältigen Entscheidungsabwägung, wenn die anderen vorbeugenden Maßnahmen zu wenig Erfolg zeigen. So werden auskömmliche Erträge abgesichert, die Qualität der Lebensmittel erhalten und versucht, die ökologischen Nebenwirkungen so weit wie möglich zu minimieren.

Gewässer schützen, Artenvielfalt sichern

Die Landwirte sind bemüht, der Artenverarmung in unserer Landschaft entgegen zu wirken. Sie legen beispielsweise Blüh- und Ackerrandstreifen an, in denen sich viele Insekten und Kleintiere wohlfühlen. Oder „Lerchenfenster“, bewusst angelegte Fehlstellen in den Äckern, von denen auch Feldhasen oder Rebhühner profitieren. In Ackerbau-Arbeitskreisen, Fachmedien und in der Gewässerschutzberatung werden die Landwirte beraten, wie sie durch eine angepasste Wirkstoffwahl Resistenzen vermeiden oder wie sie den Pflanzenschutzmitteleinsatz beispielsweise durch eine mechanische Maishacke verringern können. Speziell entwickelte „Dropleg“-Düsen verhindern beispielsweise ein Benetzen der Rapsblüte, die die Honigbiene anfliegt, zudem achten die Landwirte darauf, dass sie blühende Flächen nur nach dem Ende des täglichen Bienenflugs mit Insektiziden behandeln.

Eine gemeinsame Information von Bundesinformationszentrum Landwirtschaft und LECKERES SACHSEN

Wenn Sie also das nächste Mal eine Pflanzenschutzspritze auf dem Acker fahren sehen, können Sie sich sicher sein, dass dies nicht passiert, um der Umwelt, den Bienen oder gar den Verbrauchern zu schaden. Chemischer Pflanzenschutz kostet richtig Geld. Kein Landwirt wird grundlos teure Pflanzenschutzmittel erwerben und ausbringen, sondern nur, wenn der Nutzen deutlich erwiesen ist. Ertragssicherung heißt Sicherung niedriger Preise für Grundnahrungsmittel. Und das ist nachweislich (leider) ein wesentliches Kaufkriterium für die meisten sächsischen Verbraucher, wie die aktuelle Verbraucher- und Marktstudie des SMUL deutlich zeigt!