Zahlen & Zusammenhänge zwischen Erzeugung und Verbrauch

„Schweinefleisch vom regionalen Bauernhof“

Deutschland ist nach Spanien der zweitgrößte Schweinefleischproduzent in Europa. 2016 hielten rund 24.400 Betriebe etwa 27,4 Millionen Schweine.

Das sind pro Betrieb im Durchschnitt über 1.122 Schweine. In Niedersachsen wird ein knappes Drittel aller deutschen Schweine gehalten, gefolgt von Nordrhein-Westfalen. Im Jahr 1950 gab es in Deutschland noch knapp 2,4 Mio. Schweinehalter, die jedoch weniger als die Hälfte an Schweinen hielten, nämlich rund 12 Millionen. Damals kamen durchschnittlich fünf Schweine auf einen Halter.

Welche besondere Bedeutung Schweinefleisch für die deutsche Agrarwirtschaft hat, zeigen die Exportzahlen. Deutschland ist der größte Exporteur von Schweinefleisch: 2,5 Millionen Tonnen wurden 2016 weltweit ausgeführt. Das ist gut fünf Mal so viel wie bei Rindfleisch und drei Mal so viel wie bei Geflügelfleisch.

Schweinehaltung

Die heutige moderne Schweinehaltung ist nicht nur durch stark gewachsene Tierzahlen, sondern auch durch eine fortschreitende Spezialisierung gekennzeichnet. Viele Betriebe spezialisieren sich auf nur eine oder zwei Produktionsrichtungen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen der Zucht, der Jungsauenaufzucht, der Ferkelerzeugung, der Ferkelaufzucht und der Mast.

Zuchtsauen werden mindestens zweimal im Jahr besamt, fast immer künstlich. Das geschieht im Deckzentrum. Um den Zuchterfolg zu erhöhen, werden die Sauen für die Besamung und bis zu vier Wochen danach in sogenannten Kastenständen gehalten. Danach leben sie in Gruppen.

Die meisten Eber werden auf Besamungsstationen gehalten. Ist ein Eber für die Zucht geeignet, wird das in der Besamungsstation gewonnene Sperma, verdünnt, konserviert und verkauft.

Die Zuchtsauen sind etwa 115 Tage trächtig. Rund eine Woche vor dem voraussichtlichen Abferkeltermin wird die Muttersau in die Abferkelbucht gebracht. Ein Wurf umfasst durchschnittlich zwölf Ferkel. Ferkelschutzkörbe sollen verhindern, dass die Muttersau ihre Nachkommen versehentlich erdrückt. Nachdem sie ihre Ferkel drei bis vier Wochen gesäugt hat, kommt die Sau zurück ins Deckzentrum.

Die Ferkel wachsen von da an in Gruppen in einem speziellen Ferkelstall heran, dem sogenannten Flatdeck. Zum Ende der Aufzucht kommen die Schweine in den Maststall.

Dort werden sie mit einem Gewicht von nun etwa 25 Kilogramm als Mastschweine meist in Gruppen von zwölf bis 45 Tieren in abgeteilten Buchten gehalten. Im Maststall bleiben die Schweine in der Regel bis sie im Alter von etwa sechs Monaten ihr Schlachtgewicht von rund 110 Kilogramm erreicht haben. In der Mast sollen die Schweine in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Muskelfleisch ansetzen. Deshalb müssen die Tiere optimal mit Nährstoffen versorgt werden. Gefüttert werden sie zumeist mit Getreide und eiweißreichem Futter wie etwa Sojaschrot.

Die meisten Mastschweineställe sind heute mit Spaltenböden ausgelegt. Das heißt die Tiere stehen auf Betonböden, in denen in regelmäßigen Abständen Spalten vorhanden sind, durch die sie den Kot hindurchtreten. Es gibt Voll- und Teilspaltenböden. Letztere verfügen über eine geschlossene Bodenfläche, auf der die Tiere ruhen, sowie einen Spaltenboden.

Ökologische Schweinehaltung

Die ökologische Schweinehaltung ist für Landwirtinnen und Landwirte sehr aufwändig und teuer und lohnt sich nur, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher bereit sind, entsprechend höhere Preise zu bezahlen. Auch das Management stellt, vor allem in Bezug auf die Tiergesundheit und die Fütterung, höchste Anforderungen an Öko-Schweinehalterinnen und -halter.

Es können noch so viele Aktivisten für mehr Tierwohl und gegen Massentierhaltung auf die Straße gehen. Wenn nicht die Fleisch- und Wurstpreise akzeptiert werden, die bäuerliche Schweinehalter mit überschaubaren Tierbeständen benötigen, um davon leben zu können, ist jeder gesellschaftliche Protest nur „Schweinerei“.

Auch immer strengere Haltungsverordnungen und gesetzliche Auflagen führen zu keiner Lösung, solange diese nur dem nationalen Erzeuger (Haltungsbedingungen) und nicht dem Endprodukt (Handelsbedingungen) auferlegt werden. Will heißen: Wenn heimische Erzeuger wegen hohen nationalen Standards kapitulieren und die Supermarktregale trotzdem mit importierten Fleischerzeugnissen gefüllt bleiben, verschlechtern sich künstlich die ökologischen Ausgangsbedingungen zugunsten großer globaler Fleischkonzerne. 

Das Gleiche gilt für die, die aus Protest alternativ auf Schweinefleisch verzichten. Dabei gehen die eigentlich weiterdenkenden Verbraucher den wenigen bäuerlichen Fleischerzeugern als Unterstützer ganz verloren, so dass diese ihre Tiere nur noch für Billigeinkäufer mithilfe genau der nicht gewollten Haltungsformen erzeugen können oder ganz aussteigen und Billigimporten den Weg frei machen. 

Eine nicht unbeachtlichen Einfluss auf die Formen der Schweinehaltung haben die Lebensmittelkonzerne. Diese setzen die Preis- und Mengenmaßstäbe für Produzenten und suggerieren den Einkäufern, dass Fleisch immer und überall günstig zu haben sein kann. Denken wir bei unserem nächsten Fleisch- und Wursteinkauf mal darüber nach.

Ihr Handwerksfleischermeister um die Ecke freut sich sicherlich viel mehr über Ihren Besuch als der Supermarkt auf der grünen Wiese. Und er ist nicht signifikant teurer.

Ein Verbraucherhinweis von LECKERES SACHSEN und dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft