Beweidungsprojekt in einer Bergbaufolgelandschaft

Grabschütz – Wildnis vor der Haustür in Nordsachsen

Man muss nicht nach Amerika reisen, um sich wie in der Prärie zu fühlen: Ein Weg schlängelt sich am See entlang, weiter Himmel, große zottelige Tiere mit weit ausladenden Hörnern wandern durch eine sanfte Graslandschaft. Wer Ruhe und Naturerlebnisse sucht, ist hier am richtigen Platz.
1993 erwarb die Sächsische Landesstiftung für Natur und Umwelt 445 Hektar des Tagebaues Delitzsch Südwest, das „Restloch Grabschütz“. Ihr Anliegen: Die einmalige Schüttrippenlandschaft und weitere 55 hier vorhandene Biotoptypen – Lebensraum für zahlreiche stark gefährdete Tierarten – zu erhalten und einen sanften Tourismus zu entwickeln.

Bereits seit 2006 führt der NABU Sachsen in Grabschütz auf mittlerweile fast 60 Hektar eine naturnahe Beweidung mit Schottischen Hochlandrindern (Highland Cattle) durch. Diese Rinder gehören zu den für Extensiv-Weiden besonders geeigneten Rassen. Sie sind klein und leicht und in Bezug auf Futter sehr anspruchslos. Sie kalben leicht, sind äußerst robust, wetterhart und können deshalb auch ganzjährig im Freien gehalten werden. Die langen und möglichst symmetrischen Hörner sind in der Regel geschlechtsspezifisch unterschiedlich geformt. Bei Bullen haben sie idealerweise eine kräftige, waagerecht nach vorne gebogene Form. Bei den Kühen sind die Hörner meist deutlich länger und ragen weit ausladend nach oben.

Die Highlands führen in Grabschütz ein selbstbestimmtes Leben, entscheiden selbst, wo sie sich aufhalten, was sie fressen und wann sie sich fortpflanzen. Es kommt kein Kraftfutter zum Einsatz. Die Herde wird täglich kontrolliert, um eventuelle Probleme zu erkennen und reagieren zu können.
Seit 2016 werden die Rinder ganzjährig im Gebiet bleiben. Dafür wurde die Beweidungsfläche um weitere 30 Hektar erweitert.

In den vergangen Jahren hat sich gezeigt, wie erfolgreich der Ansatz der naturnahen extensiven Beweidung ist: Die Verbuschung durch Sanddorn und Ölweiden wurde stark zurückgedrängt, eine savannenartige Landschaft entstand mit Büschen, Hochstauden, offenem Boden und kurzem Weiderasen. Das sind ideale Bedingungen für zahlreiche geschützte und aus dem intensiv genutzten Ackerland verdrängte Vogelarten, wie beispielsweise Braun- und Schwarzkehlchen, Grauammer, Raubwürger, Neuntöter und Wiedehopf. Auch neun Amphibienarten sind im Gebiet heimisch, von denen vor allem der Kammmolch und das große Vorkommen der Wechselkröte hervorzuheben sind.

Um den Grabschützer See führt ein abwechslungsreicher Rundweg von sieben Kilometern Länge. Er ist in das regionale Rad- und Fußwegnetz integriert und lädt zum Ausflug in eine besondere Landschaft ein. Zu Fuß oder per Fahrrad kann man viel Interessantes über die Entwicklung des Gebietes vor, während und nach der Braunkohleförderung erfahren. Ein Naturlehrpfad mit insgesamt 17 Stationen erläutert Landschaftsgeschichte, Geologie, Fauna und Flora sowie die Ökologie der Bergbaufolgelandschaft. Auch das NABU-Beweidungsprojekt sowie Konzepte des Prozessschutzes werden vorgestellt und erklärt.

Quelle: Naturschutzbund Deutschland (NABU), Landesverband Sachsen e. V.

2 Kommentare
  1. SiS sagte:

    Wenn ich das NABU-Logo sehe, weiß ich immer nicht, wie ich regieren soll. Wirds ideologisch oder bleibts sachlich. Der Beitrag hier scheint sachlich zu sein.

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