Landwirtschaft in Sachsen

Droht dem Zuckerrübenanbau in Ost- und Mittelsachsen das Aus?

Wie die Südzucker in einer Pressemitteilung berichtet, hat der Vorstand des größten europäischen Zuckerunternehmens in seiner gestrigen Sitzung einen bestehenden Restrukturierungsplan für das Segment Zucker konkretisiert. Den Restrukturierungsplan will der Vorstand in der heutigen Aufsichtsratssitzung vorstellen.

Mit dem Restrukturierungsplan verfolge der Vorstand der Südzucker AG das Ziel, die Auswirkungen der starken Preisschwankungen an den globalen Zuckermärkten und in der EU auf das Segment Zucker zu verringern und damit den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens nachhaltig zu sichern.

Mit Liebe gebacken

Bis zu 700.000 t Zucker weniger

In Betracht gezogen werden in Deutschland und anderen europäischen Ländern neben weiteren allgemeinen Kostensenkungsmaßnahmen in den Verwaltungen auch Kapazitätsanpassungen. Sie können auch zu Werksschließungen mit einer geringeren Zuckerproduktion von bis zu rund 700.000 Tonnen jährlich führen, teilt der Zuckerriese mit. Ziel dabei ist es, die Kapazitäten stärker am Bedarf des europäischen Marktes auszurichten. Der gesamte Kosteneinsparungseffekt könne sich auf bis zu rund 100 Mio. Euro pro Jahr belaufen.

Der Aufsichtsrat wird den geplanten Maßnahmen des Vorstandes zustimmen,sind sich Kenner der Zuckerwirtschaft einig. Konkrete Beschlüsse werden nach weiteren Beratungen mit dem Aufsichtsrat in den nächsten Wochen angestrebt. Der Vorstand werde zeitnah die Betriebsräte und die Arbeitnehmer über den Stand seiner Planungen unterrichten.

Klartext

Sachsen selbst hat seit der Schließung der letzten Zuckerfabrik in Löbau 2002 keinen Verarbeitungsstandort mehr für Zuckerrüben. Alle zur politischen Wende noch existierenden Zuckerfabriken im Freistaat wurden nach und nach durch Südzucker „restrukturiert“. Die von den sächsischen Landwirten jährlich erzeugten Rüben werden seitdem in die beiden letzten umliegenden Zuckerfabriken des Unternehmens nach Brottewitz in Brandenburg und nach Zeitz in Sachsen-Anhalt geliefert.

Die Brottewitzer Zuckerfabrik zählt zu den ältesten und kleinsten Fabriken des Unternehmens. Sie liegt im Ergebnis früherer Fabrikschließungen abseits der sächsischen Kernanbaugebiete für Zuckerrüben ist jedoch essentiell für die Aufrechterhaltung des heimischen Anbaus von Zuckerrüben in Ost- und Mittelsachsen. Der wesentliche Vorteil des Standortes, die energetisch kostengünstige Versorgung mit heimischer Braunkohle, „zerplatzt“ derzeit mit den politischen Planungen für den Braunkohleausstieg.

Eine Schließung des Werkes Brottewitz hätte nicht nur wirtschaftlich katastrophale Folgen für die strukturschwachen Regionen in Südbrandenburg und Ostsachsen. Es wäre auch definitiv das Aus eines jahrhundertealten Zuckerrübenanbaus in den Landkreisen Görlitz, Bautzen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sowie großen Teilen der Kreise Meißen, Nord- und Mittelsachsen. Der Transport der Rüben per LKW über mehr als 120 km bis zur Fabrik Zeitz ist auf Dauer wirtschaftlich unmöglich.

Die 1993 neu errichtete Zuckerfabrik Zeitz, im Verbund mit einer der größten Bioethanolanlagen Europas und einer neu eröffneten Weizenstärkefabrik, wird nach Expertenmeinung nicht von einer neuerlichen Restrukturierung betroffen sein. Vielmehr werden Schließungen anderer Werke zu einer optimaleren Auslastung des Fabrikstandortes führen sollen.

4 Kommentare
  1. Wolfgang sagte:

    Wollte Euch in Eurem Blog nur mal von der heutigen Demo (15.02.) in Brottewitz berichten. Es waren wohl an die 300 Leute da. Die meisten waren Fabrikleute und Einheimische aus dem Dorf und Umgebung. Die Rübenanbauer waren überschaubar, durch die mitgebrachten Traktoren und die Lademaus aber nicht zu übersehen. Vom Rübenverband kaum bekannte Gesichter, wir wissen doch warum;-) Sollen das nicht über 300 Betriebe sein, die betroffen sind?

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  2. SiS sagte:

    In der LR steht stand drin, dass der Rübenbauernverband nun gegen eine Werksschließung der für Sachsen so notwendigen Zuckerfabrik Brottewitz kämpfen will. Die Spinner. Der halbe Vorstand lässt sich von Südzucker „die Taschen füllen“. Bauern die im Aufsichtsrat von Weltkonzernen sitzen sollens richten? Denkste!

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  3. Keim sagte:

    Wie der SWR brichtet, steht doch schon fest, dass Brottewitz in Brandenburg und Warburg in NRW geschlossen. Ist das noch nicht bekannt?

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  4. BigData sagte:

    Da kann doch die Kohlekommission gleich mal zeigen, wie sie auf Strukturveränderungen reagieren will. So eine Massenwirtschaftsvernichtung wie Anfang der 90er wird es zwar nicht mehr geben, aber die letzten rauchenden Schornsteine (sprich produzierenden Gewerke) in der Region verschwinden alle noch. Brottewitz ist übrigens auch die letzte Zuckerfabrik in Brandenburg. Die Globalisierung schlägt weiter um sich.
    Mit der politisch geforderten Ansiedlung von Verwaltungseinrichtungen, Künstlern oder digitalisierenden Weltverbesserungsfirmen steht der Region aber ein gewaltiger Aufschwung bevor:-(

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